Fahrradgedanken #11 von Susann

Mir ist schwindlig, als wir aus dem Gebäude der Kriminalpolizei kommen. Der Kommissar hat mir nicht in die Augen geschaut. Mein Freund hat ihn gefragt, ob es ratsam ist, in die Wohnung zu gehen. Ob wir das schaffen.  “Könnse was aushalten?” hat er ihn gefragt, “Denn gehnse ma lieber alleene rin.” und deutet mit einem Kopfnicken […]
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Fahrradgedanken #10 von Caro

Als wir uns das letzte Mal sahen, war es Winter. Wir hatten uns zum Frühstück getroffen, frisch gepresster Orangensaft, Rührei, Schafskäse, Petersilie, Toast und Butter, in einem Café bei mir um die Ecke, wir saßen direkt am Fenster, „Der fährt zu mir nach Hause“, murmeltest du, und schautest dem Bus hinterher, diesem und jedem anderen, der in den nächsten anderthalb Stunden […]
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Fahrradgedanken #9 von Susann

Auf dem Foto sind drei Menschen zu sehen, zwei Männer und ein Kind. Es muss Winter sein, sie tragen dicke Jacken und die Bäume sind ohne Laub. Der Große ist fast noch ein Junge, im Anorak, der dem anderen, dem älteren, den Arm um die Schulter legt. Beide schauen in die Kamera, lächeln ein bisschen. […]
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Fahrradgedanken #8 von Caro

Diesmal habe ich ein Zitat ausgesucht. Eines, das erklärt, was die „Wellenbewegungen“ sind, über die wir schon einige Male gesprochen haben, wenn es um Sinn und Unsinn des Lebens und Sterbens ging. Die Idee der Wellenbewegungen kommt von Irvin D. Yalom aus seinem Buch „In die Sonne schauen. Wie man die Angst vor dem Tod […]
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Fahrradgedanken #6 von Susann

Der Tod und die Zahlen haben eine merkwürdige Beziehung. Geburts- und Todesdaten stehen auf dem Grabstein, das Alter von Verstorbenen ist auch wahnsinnig wichtig (je jünger desto tragischer). Ich gehe über den Friedhof und rechne aus, wie alt die Toten sind. Baue damit meine eigene Statistik, zähle die Jahre, die mir bis zum Durchschnitt bleiben […]
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Fahrradgedanken #3 von Caro

Ich habe heute etwas Neues gefühlt, es war Abwesenheit. Kein Vermissen, keine Traurigkeit, einfach nur nichts, wo etwas sein sollte, meine Hand fasste ins Leere, plötzlich tat sie sich auf, so, als stünde ich im Zimmer eines Hochhauses und es fehlte eine Wand; dort, wo sie hingehörte, war nur Himmel bis zum Horizont, es war […]
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Fahrradgedanken #2 von Susann

Zu meinen Toten pflege ich äußerst unterschiedliche Beziehungen. Es sind fünf – fünf Tote und fünf unterschiedliche emotionale Verstrickungen. Die Art unserer heutigen Beziehung scheint sehr davon abzuhängen, wann sie mir gestorben sind und auf welche Art. Hier ist der Versuch einer Klassifizierung. Den Anfang macht mein Wellensittich Hansi. Ich war sieben und sein Tod […]
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Fahrradgedanken #1 von Caro

Ich habe ein Buch gelesen, ein Buch mit Texten über Menschen, die kurz vor ihrem Tod standen. Jeder Text wurde begleitet von einem Portrait, ein Foto vor ihrem Tod und eins danach. Der Gedanke hat mich lange nicht mehr losgelassen: Diese Menschen wussten, dass es ein Foto von ihnen geben würde, ein Foto, das sie […]
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