Fahrradgedanken #1

Ich habe ein Buch gelesen, ein Buch mit Texten über Menschen, die kurz vor ihrem Tod standen. Jeder Text wurde begleitet von einem Portrait, ein Foto vor ihrem Tod und eins danach. Der Gedanke hat mich lange nicht mehr losgelassen: Diese Menschen wussten, dass es ein Foto von ihnen geben würde, ein Foto, das sie nicht mehr sehen würden, in einem Buch, da für alle, außer für sie selbst, da für eine Welt, in der sie nicht mehr sein würden. Das eigene Sterben begreifen heißt, Raum für den Schmerz zu schaffen. Doch es hat, glaube ich, auch immer etwas mit dem Leben zu tun. Mit dem Leben, das wir führen, mit dem Leben, das wir uns irgendwann mal vorgestellt haben zu führen, mit dem Leben, das wir führen könnten, mit dem Leben, nach dem wir uns sehnen. Wenn wir den Tod begreifen, lassen wir nicht nur den Schmerz, wir lassen auch die Möglichkeit zu, ein besseres Leben zu führen.

Das Buch heißt „Nochmal leben vor dem Tod“ – die zugehörige Ausstellung und alle Infos findet Ihr hier.