Fahrradgedanken #10 von Caro

Als wir uns das letzte Mal sahen, war es Winter. Wir hatten uns zum Frühstück getroffen, frisch gepresster Orangensaft, Rührei, Schafskäse, Petersilie, Toast und Butter, in einem Café bei mir um die Ecke, wir saßen direkt am Fenster, „Der fährt zu mir nach Hause“, murmeltest du, und schautest dem Bus hinterher, diesem und jedem anderen, der in den nächsten anderthalb Stunden an uns vorüberfuhr, mich irritierte das, ich wusste, dass du an deiner Wohnung nicht besonders hingst und verstand das Wehe in deinem Blick nicht.

Das Essen rührtest du kaum an, unser Gespräch war schleppend, ich schämte mich für das laute Geräusch, das die Absätze meiner Schuhe auf dem Weg zur Toilette machten, vor dem Spiegel fuhr ich mir mehrmals durch die Haare und zupfte meinen Ausschnitt zurecht. Auf dem Nachhauseweg liefst du mit gesenktem Blick neben mir her, dir war kalt, du frösteltest und zogst die Schultern hoch, deine Hände waren zu Fäusten geballt und wölbten sich in den Taschen deines Anoraks, der Reißverschluss stand offen.

„Bis bald, hoffentlich an einem wärmeren Ort“, sagtest du, während wir uns umarmten, ich wusste nicht, dass das die letzten Worten waren, die allerletzten Worte, die ich aus deinem Mund je hören würde, du drehtest dich um und gingst die Straße runter. Ich schaute dir nach, und wie jedesmal, wenn wir uns verabschiedeten, hatte ich den Impuls, dir nachzulaufen, noch ein Stück des Weges mit dir zu gehen, dann holte ich den Schlüssel aus meiner Tasche und ging zurück in meine Wohnung.