Fahrradgedanken #5 von Caro

Den Schmerz spüre ich nur, wenn ich alleine bin. Immer, wenn ich länger unter Menschen bin, Menschen, die mir nah sind, selbst, wenn ich mit ihnen über mein Leid spreche, geht es mir gut. So sieht es aus und so fühlt es sich an. Nur dieser eine Nadelstich, der sagt: Das ist nicht die Wahrheit. Das ist nur Ablenkung. Darunter liegt dein Schmerz, deine Trauer, deine Wahrheit. Und jedesmal panische Angst. Angst, wenn ich einen Hauch spüre, einen Hauch davon, wie sich normales Leben anfühlen wird. Angst davor, es nicht hinzukriegen. Das, was sein Tod ausgelöst hat, irgendwo auf dem Weg zu verlieren. Das, was er mitgenommen hat, irgendwann nicht mehr zu vermissen. Dass sich eine Welt, in der nichts mehr ist, wie es war, in eine Welt verwandelt, in der alles ist, wie es war. Glattgeschmirgelt. Entweder oder. Normales Leben, in dem er zur Erinnerung wird. Oder Schmerz. Narbe oder Wunde. Angst, dass Weiterleben seinem Tod nicht gerecht wird. Dass Erinnern nicht reicht. Angst, dass man lernen kann, ohne jeden Menschen zu leben. Dafür mit jeder Trauer. Mit jedem Verlust. Mit jedem Schmerz. Dass Leben einfach weiter geht.