Fahrradgedanken #6 von Susann

Der Tod und die Zahlen haben eine merkwürdige Beziehung. Geburts- und Todesdaten stehen auf dem Grabstein, das Alter von Verstorbenen ist auch wahnsinnig wichtig (je jünger desto tragischer). Ich gehe über den Friedhof und rechne aus, wie alt die Toten sind. Baue damit meine eigene Statistik, zähle die Jahre, die mir bis zum Durchschnitt bleiben und schaue in den Abgrund des Grauens an Grabsteinen, die zwischen den Daten kaum Jahre lassen. Es gibt plötzlich Zahlen im Konjunktiv: Mein Bruder wäre gestern 46 geworden. Mein Vater vor ein paar Wochen 75. Und immer noch solche, die sind: Todesjahre: 2 und 20. Lebensjahre: endlich. Todesjahre: unendlich. Zahlen: auch unendlich. Da versprechen sie, das Geschehene zählbar, einordenbar zu machen und sind gleichzeitig das bodenlose, unendliche Nichts. Und meinen Vater kenne ich jetzt tot länger als lebendig.