Tod und Popkultur II: There’s power in the mourning & the grief

Tod und Popkultur, die Zweite! In dieser Folge haben wir die US-amerikanische Musikerin Erica Freas zu Gast, die uns von den erstaunlichen Trauer-Ritualen innerhalb der dortigen Punk- und Queerszene erzählt, vom Sterben ihrer beiden Großmütter und warum es so wichtig sein kann, Trauer zu durchleben anstatt sie beiseite zu schieben.

Anfangs sprechen über den Unterschied zwischen Erkenntnis und Erfahrung bei der Beschäftigung mit dem Tod: ein intellektuelles Erkenntnisinteresse lässt das Leben temporär aufleuchten, Erfahrung sickert darin ein und wirkt sich nachhaltiger aus. Caro macht im Zusammenhang mit Berufen rund um Tod und Sterben auf den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl aufmerksam – und warum sie glaubt, dass persönliche Erfahrung mit dem Tod hier durchaus hilfreich sein kann. 

Kürzlich wurde Caro an den Schock erinnert, den sie durch die nachträgliche Nachricht von der Kremation ihres Ex-Freundes erlitten hat. Sie erzählt, warum das noch heute eine solche Last für sie ist und warum gute Berater und Aufklärung in allen Belangen rund um den Tod so wichtig sind.

Im Gespräch mit Erica Freas dreht sich zunächst alles um die Punk- und Queerszene in den USA und ihre erstaunlichen Gruppen-Trauer-Rituale. Sie erzählt, wie sich nach dem Suizid einer Freundin aus der Szene eine große Gruppe trauernder Punks versammelte und alle eine Woche lang tranken, weinten, die Trauer herausbrüllten, Dinge kaputtschlugen, auf Mopeds in Horden durch die Stadt fuhren und schließlich eine Gedenkfeier am Strand veranstalteten, bei der alle ihre Lieblingserinnerungen vortrugen. Wir staunen und stellen fest, dass es uns sehr fremd ist, jenseits der Familie in einer Gruppe offen mit Trauer umzugehen.

Auf der endlich.-Couch spielt Erica für uns den Song „Harriet“, darin singt sie: „there’s power in the mourning and the grief“ – sie erklärt, wie machtvoll es ist, bewußt durch die Trauer zu gehen und sie nicht beiseite zu schieben. Weil man lernt, weil man sich verändert, weil sie sich nicht beiseite schieben lässt.

Erica erzählt davon, dass sie jetzt andere, weniger exzessive Wege gefunden hat, mit Trauer umzugehen – und wir fragen uns: Warum wird bei uns nicht öffentlich getrauert? Erica findet genau dieses Öffentliche so wichtig, weil es bedeutet, dass Trauer normal ist, dass sie in der Realität verankert ist und dass die Zugehörigen ihr Leben neu ausrichten müssen.

Wir stellen Erica die Frage mit Max Nummer 12. „Was stört Sie an Begräbnissen?“

In den Fahrradgedanken von Caro geht’s diesmal um die Kunst, sich selbst auszuhalten.

Außerdem gibt’s hier unsere aktuellen Lese-, Seh- und Hörempfehlungen:

Wie immer noch vielen Dank an Peer für das Lied „Alle alle“ aus unserem Intro/Outro!