Trauer: alles darf, nix muss

In unserer dritten Folge geht’s ans Eingemachte: Wir reden über Trauer. Mit Julia Martin, der Herausgeberin des Trauer-Zines Missing Bits. Mit ihr sinnieren, schimpfen und philosophieren wir über dieses seltsame Ding, das so viele unterschiedliche Gesichter hat.

Was ist Trauer eigentlich? Und komplizierte Trauer? Braucht die Welt Trauerphasen? Kann man falsch trauern? Was darf man und was ist normal? Und welche Strategien haben wir entwickelt, um mit unserer Trauer umzugehen? Ihr seht schon, dieses Thema wirft viele Fragen auf, und wir versuchen sie nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. Manchmal stellen wir auch einfach mehr Fragen. Susann findet es schrecklich, dass man als Trauernde oft das Gefühl hat, für die anderen eine Belastung zu sein. Ihr Wunsch an die Leute, die mit Trauernden zu tun haben: Einfach da sein und keine Erwartungen haben. Caro gibt ihr recht. Die Menschen müssen einfach nur zuhören und den Schmerz des Anderen aushalten, glaubt sie. Hört sich leicht an, ist aber verdammt schwer. Weil wir trösten wollen – es manchmal aber keinen Trost gibt. Es geht außerdem um Resilienz, Kummerknotenanfälle, Hilflosigkeit und die Angst vorm Verschwinden der Trauer.

„Ich habe das Gefühl, dass Trauer mich schon mein halbes Leben lang begleitet“, sagt Julia, die ihre Eltern früh verloren hat. Wir fragen uns, ob man aus Trauer lernen kann und ob wir Menschen, die wir lieben, unseren Tod zumuten würden. Sie erzählt uns von körperlicher Trauer, von Scham, ihrer queeren Trauergruppe und davon, wie ihre Freundschaften sich durch Trauer verändert haben.

Die Fahrradgedanken kommen heute von Caro und die findet Ihr hier.

Und (fast) zum Schluss noch ein Zitat aus dem Buch Die Erfahrung des Todes von Paul Ludwig Landsberg, das uns gut gefällt:

„In der Liebe formt sich durch Teilhabe sozusagen ein neues Wesen, ein Bund, nicht ich, nicht du, sondern ein Wir. Beide Personen sind zugleich in einer neuen Gesamtperson miteinander verbunden. Wenn nun der geliebte Mensch stirbt, geht der Riss und die Berührung des Todes, in dem das Wir zerreißt, mitten durch mich hindurch, insofern ich dieses Wir bin. Ich sterbe mit. Hier gewinnt der Satz, den Menschen sagen, dass mit dem Anderen ein Teil von ihnen selbst mitgestorben ist, seine eigentliche Wahrheit und Tiefe.“

Außerdem unsere Lese- und Hörempfehlungen:
Totenstille: Die Angst, das Falsche zu sagen
Understanding Grief
the end podcast zum Thema Kindertrauer
Dead Mom Talking
What is „Sexual Bereavement“?
Wenn ein Kollege stirbt
Sternenkinder: Ein Vater trauert um sein totes Kind

Und hier Julia Martins Beerdigungsplaylist:

Apropos Musik: Listen to the fabulous „Alle alle“ by Peer aus unserem Intro/Outro!